Rom im Futur

Rom im Futur

Ein Erinnerungsbuch aus dem Germanikum, Würzburg: Echter-Verlag 2004

Kürzlich begegnete ich einem Kollegen, der 1979 zusammen mit mir in das Collegium Germanicum in Rom eintrat.  Schon rein äußerlich schienen wir mehr als verschieden: er mit einer Braveheart-Mähne, ich mit weitgehendem Kahlschlag auf dem Haupt. Dennoch verstanden wir uns prächtig, tauschten uns über die gemeinsamen Jahre aus und stellten fest: Rom hat geprägt. Es hat „in der Wolle gefärbt“, wie es ein Rektor des Kollegs einmal ausdrückte – mich selbst in den sieben Jahren zwischen 1979 bis 1986. Weiterlesen

Wohin im Urlaub (2) – Annecy: auf den Spuren der heiligen Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal

Annecy

Eine Reise auf den Spuren von Heiligen verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen. Da verschmilzt der Augen- und gewiss auch manchmal Gaumenschmaus mit der besten Nahrung für die Seele, nämlich dem Vorbild von Heiligen aus Fleisch und Blut. Für wen würde das mehr gelten als den heiligen Franz von Sales (1567-1622), der auf so ansprechende Weise wahre Menschlichkeit mit tiefer Frömmigkeit verband, und die heilige Johanna Franziska von Chantal (1572-1641), die zusammen mit Franz den Orden der Heimsuchung Schwestern gründete, die „Visitation“? Weiterlesen

Post aus Rom für Deutschlands Katholiken – der Papstbrief zum synodalen Weg

„Ceci n’est pas une pipe. – Das da ist keine Pfeife.“ So lautet die Bildunterschrift unter ein typisches Bild von René Magritte von 1929. Doch was ist darauf zu sehen? Ganz unverkennbar – eine Pfeife! Das Bild trägt den Namen „La trahison des images“, also etwa „Der Verrat an den Bildern“. Das Ganze hat einen recht komplexen kunsttheoretischen und semiotischen Hintergrund. Auf der Hand liegt aber eines: Es ist immer Verrat, frech das Gegenteil zu behaupten von dem, was zu sehen ist. Denn man muss nur seine Augen gebrauchen und nicht in ein Bild das hineinlesen, was man im Kopf hat.

Am 29. Juni 2019, dem Hochfest der Apostelfürsten Peter und Paul, hat Papst Franziskus, der Nachfolger Petri, den deutschen Katholiken einen Brief geschrieben. Schon bevor er veröffentlicht wurde, ging der Streit um die Deutungshoheit los. Liest der Papst dem Katholizismus hierzulande die Leviten? Oder bringt er umgekehrt einfach großen Rückenwind aus Rom für den „synodalen Weg“ und das „Anything goes“, das mittlerweile offensichtlich auch den Episkopat erfasst hat? Gibt die Magritte’sche Pfeife hier also bedrohlichen Rauch von sich oder ist sie die sanft einlullende Friedenspfeife? Weiterlesen

In memoriam: Joachim Kardinal Meisner (1933-2017)

Kardinal Meisner hat mich in Rom zum Priester geweiht. Zusammen mit neun Germanikern, zwei davon Berliner. Da war schon lange vorher klar: Ihn würden wir gerne als Weihebischof haben. Schon mehr als ein Jahr zuvor hat er zugesagt, und er hat sein Wort mehr als gehalten. Denn er hat die Weihe gespendet „ganz Meisner“, mit restlosem Einsatz, im Gebet, mit klaren Worten und einigen unvergesslichen Gesten. Aber beginnen wir zwei Tage darauf. Da war Mittwochsaudienz von  Papst Johannes Paul  II. Weiterlesen

Romano Guardini

aus den Säkularisationen, den Ähnlichkeiten, Halbheiten und Vermengungen heraus

Romano Guardini, Das Ende der Neuzeit. Ein Versuch zur Orientierung, Leipzig: St. Benno-Verlag 1954 (Erstveröff. 1950)

Im Wintersemester 1947/48 an der Tübinger und im Sommersemester 1949 an der Münchener Universität, hielt Romano Guardini eine Vorlesungsreihe zur Deutung der Zeit – inmitten in einer Lage, da Deutschland sich aus den geistigen Trümmern neu aufbauen wollte. Dazu griff er auf die ihm so wichtigen Denker eines christlichen Existenzialismus zurück, auf Augustinus, Pascal (zu dem „Das Ende der Neuzeit“ nur die Einleitung bilden sollte, 9-11), Kierkegaard und Dostojewski. Entscheidung, „Unterscheidung des Christlichen“, Wagnis und Wahl, Personsein durch den Anruf Gottes, der einen Menschen restlos umgreift und der ihn in der Antwort darauf zu einer Person macht, das galt ihm als Leitstern in unsicherer Zeit. Weiterlesen