Gewissen – Heiligtum der Person oder moraltheologische Stopfgans?

Viel beschworen, wenig gekannt: das Gewissen. Neuerdings ist es auch der Katholiken liebstes Kind. Grund genug, es sich einmal genauer anzuschauen. Für eine Stopfgans der Moraltheologie ist es nämlich wirklich zu schade. Das Gewissen ist keine Ausrede für alle Fälle: Das ist ja ein Einzelfall! Ja, das wäre tragisch: Alle reden vom Gewissen und keiner hält sich daran. Das wäre so gefährlich wie Traumtänzerei beim Hochseilakt. Denn die katholische Lehre vom Gewissen ist filigran und präzise, nur so hält sie die Balance. Weiterlesen

Jan Patočka (1907–1977)

Ian Patočka, Ketzerische Essays zur Philosophie der Geschichte

Neu übersetzt von Sandra Lehmann. Mit Texten von Paul Ricœur und Jacques Derrida sowie einem Nachwort von Hans Rainer Sepp (= suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1854), Frankfurt a.M. 2010.

Der tschechische Philosoph Ian Patočka und Bürgerrechtler, einer der ersten Sprecher der „Charta 77″ und also solcher infolge von vielstündigen Polizeiverhören zu Tode gekommen, ist in kein Lager einzuordnen. Man kann ihn humanistisch, personalistisch, pazifistisch, existenzialistisch und gewiss auch konservativ lesen, stets aber gehören für ihn Offenheit und bleibendes Fragen zur Würde des Menschen. Weiterlesen

Leselust (1): Franz Werfel

Franz Werfel (1890 Prag – 1945 Beverly Hills) – Romane und Erzählungen

Eigentlich gibt es nicht den Werfel, sondern ihrer mindestens vier:

  1. den Verfasser expressionistischer Lyrik und avantgardistischer Bühnenwerke,
  2. den Essayisten und Botschafter eines Humanismus mit tief religiösem Sinn (zum Blättern und Festlesen der dicke Band „Zwischen oben und unten“),
  3. den Menschen aus einem einzigartigen Milieu, dem Prager Deutschjudentum (so wie etwa Franz Kafka, mit dem er befreundet war), und einer bewegten Geschichte und
  4. den begnadeten Erzähler.

Und dazu das Bekenntnis: Ich schätze und achte den Werfel 1 bis 3, aber ich liebe den Werfel 4. Das mögen manche Literaturgescheiten anders sehen und seine experimentellen Werke bahnbrechender, gewagter und sprachlicher eindrucksvoller ansehen.

Zeichnung von Franz Werfel durch Erich Büttner (1915; National Library of Israel, Schwadron collection)

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Osterrätsel 2018

Ein kluger Kopf…

strohblond, ein dicker Kopf, groß, stämmig, gesund, zäh und auf dem Haupt ein wenig kahl…

Als er dieses Buch begann, lebte er für einige Jahre in einem weltweit bekannten Wallfahrtsort, und zwar an einem durchaus idyllischen Platz mit einem guten Blick über die Dächer der Stadt und direkt neben einer schönen alten Kirche, die heute vor allem wegen ihrer uralten Holztüren bestaunt wird. Diese war zwar nicht vorrangiges Wallfahrtsziel, aber doch liturgisch an einem besonderen Tag sehr bedeutsam. Doch er war ohnehin ganz der Gelehrte, der am liebsten zwischen Büchern oder unter Studenten saß, lehrte, schrieb oder diskutierte. Dass er – strohblond, ein dicker Kopf, groß, stämmig, gesund, zäh und auf dem Haupt ein wenig kahl – freilich überhaupt den Mund aufmachte, war nicht selbstverständlich, denn seine Freunde verglichen ihn liebenswürdig-ironisch mit einem Tier, das nur sehr gelegentlich von sich hören lässt. Weiterlesen

Felapton oder Das letzte Glück

Buchvorstellung von „Felapton oder Das letzte Glück“

Spannender Krimi mit philosophischem Hintergrund.
Gebundene Ausgabe: 24,00 € inkl. MwSt.
Verlag Karl Alber 2018.
Gebunden mit Schutzumschlag und Leseband. 408 Seiten.
ISBN: 978-3-495-48866-9
Dieses Glück, diese Seligkeit im Tod, das kommt nicht von selbst…

Inhalt: Am Abgrund der Logik

Fünf junge Männer werden tot in einem Kloster aufgefunden. Fotos von ihren Gesichtern tauchen auf. Sie verstören: Ein letztes Glück liegt auf den Zügen der Toten. Doch diese Bilder lösen ganz unterschiedliche Reaktionen aus. Weiterlesen