Theodor Haecker (1879-1945)

Theodor Haecker, Vergil. Vater des Abendlandes, Bonn 1933

„Seine Worte fallen langsam wie Tropfen, die man schon vorher sich ansammeln sieht, und die in diese Erwartung hinein mit ganz besonderem Gewicht fallen. Er hat ein sehr stilles Gesicht, einen Blick, als sähe er nach innen. Es hat mich noch niemand so mit seinem Antlitz überzeugt wie er.“ Mit diesen Worten erinnert sich Sophie Scholl an den ersten Vortrag Theodor Haeckers (1879 – 1945) vor einer ausgewählten Gruppe von Münchener Studenten ausgangs des Sommersemesters. Das war am 10. Juli 1942, im Atelier des Architekten Manfred Eickemeyer in der Leopoldstraße, nur einige hundert Meter vom Hauptgebäude der Universität, an jenem Platz, der heute den Namen der Geschwister Scholl trägt. Es folgten weitere Zusammenkünfte, so auch am 4. Februar 1943. Hans Scholl verfasste das vierte (apokalyptische) Flugblatt der Weißen Rose wohl unter dem Eindruck dieser Lesung Haeckers vom 10. Juli 1942 zwei Tage später. Weiterlesen

Osterrätsel 2019

Gesucht ist der Name eines Königs.

Natürlich nicht irgendeines Königs, sondern eines ganz besonderen. Ein König und Träger dieses Namens soll nach Rom gereist sein und dort den Papst getroffen haben. Er habe sich zum christlichen Glauben bekehrt und sich taufen lassen. Wenn diese Notiz zutrifft, wäre er der erste christliche König der Weltgeschichte. Doch diesen König meinen wir nicht, sondern nur einen Namensvetter, der ca. 170 Jahre früher lebte. Von ihm haben wir nur legendarische Überlieferungen, doch diese sind umso bedeutsamer. Immerhin hat einer der bedeutendsten Kirchengeschichtler ihnen einige Seiten gewidmet und will den Bericht sogar aus einschlägigen Archiven der Hauptstadt dieses Reiches belegen.

Ein einmaliger Briefwechsel

Im Kern handelt es sich dabei um nichts geringeres als um einen Briefwechsel zwischen diesem König und Jesus höchstpersönlich – womit wir so ganz nebenbei das einzige schriftliche Zeugnis Jesu hätten. Freilich finden sich im Brief des Königs bereits fast wörtliche Zitate aus Mt 11,5 bzw. Lk 7,22 und bei Jesus ein Schlüsselwort, das er nach dem Johannesevangelium nach seiner Auferstehung gesprochen hat. Eine berühmte Pilgerin will einige Jahrzehnte später diese beiden Briefe vom Bischof der Königsstadt gezeigt bekommen haben, bescheinigt aber, dass es auch in ihrer Heimat Kopien der Briefe gebe. Weiterlesen

Weihnachtsrätsel 2018

Gesucht ist…

Das Rätsel handelt von einem Diakon, einem Heiligen und einem überaus bekannten Diakon dazu. Dem Namen nach müsste er Franzose sein, aber das kam nur daher, dass sein Vater geschäftlich viel in Südfrankreich zu tun hatte und seinen Sohn schon von Geburt an auf seine erfolgreiche Tätigkeit festlegen wollte. Irgendwie hatte sein Geschäftsstolz später aber damit zu tun, dass es zu einem klassischen Vater-Sohn-Konflikt kam, an dessen Ende der spätere Diakon alles andere als ein Frühkapitalist wurde. (Nun gut, auch nicht gerade ein Marxist, auch wenn sich später in der katholischen Kirche eine breite Bewegung, die oft marxistische Gesellschaftsanalysen verwendete, auf ihn berief.) Weiterlesen

Pierre Manent (* 1949)

Pierre Manent, La loi naturelle et les droits de l’homme, Paris: puf 2018.

Pierre Manent 2011 (Quelle: http://www.ssf-fr.org/album_56_220.html)

Es gibt weniger Bücher gegen den Strom als man denkt. Zumindest solche, die auch wirklich lesenswert sind. Die Sammlung von sechs Vorträgen im Pariser „Institut Catholique“ von 2017 des bedeutenden Politikwissenschaftlers Pierre Manent (* 1949) gehört zu diesen Büchern, auch wenn, das sei gleich eingeräumt, die Sprache dicht und die Lektüre der 131 Seiten bisweilen etwas anstrengend, da recht abstrakt gehalten ist. Gegen den Strom, das ist seine kraftvolle Verteidigung des Naturgesetzes („loi naturelle“ oder wie wir Deutschen lieber sagen, des Naturrechts) in einer Zeit, wo das Gros der Moraltheologen zumindest rechts des Rheins lieber auf Derrida und Foucauld als auf Aristoteles und Thomas von Aquin zurückgreift. Weiterlesen

Ein Leben des Geistes – Berufsethos für Akademiker

Wozu studiert man eigentlich? Hat vielleicht gar bereits die höheren akademischen Weihen eines Diplom, Magister, Staatsexamen, Bachelor oder Master erhalten? Um dadurch den Traumberuf zu erreichen? Um sich einem Fach zu widmen, das einem Spaß macht und in dem man schon in der Schule gut war? Um später einmal ein gesichertes, angesehenes und nicht zuletzt gut bezahltes Leben führen zu können? Alles gut, aber alles auch zu wenig. Unterm Strich ist das nicht mehr als die Tüte Pommes, um den Hunger zu stillen: ein Mittel zum Zweck. Doch Studium ist – Bildungspolitiker und Finanzminister weghören! – Selbstzweck. Weiterlesen