Lehramt – und wie?

„Fest soll mein Taufbund immer stehn,
ich will die Kirche hören!
Sie soll mich allzeit gläubig sehn
und folgsam ihren Lehren!“ (GGB 808, Ausgabe München und Freising).

So lauten die ersten vier Zeilen des bekannten und beliebten Gelöbnisliedes von Christoph Bernhard Verspoell (1810). Seine unbefangene Kirchlichkeit war der Nachkonzilszeit wohl nicht mehr geheuer. So ist im Gesang- und Gebetbuch ein purgierter Text von Karl Günter Peusquens von 1974 zu finden:

„Fest soll mein Taufbund immer stehn,
zum Herrn will ich gehören.
Er ruft mich, seinen Weg zu gehen
und will sein Wort mich lehren“ (GGB 807).

Nicht falsch, aber eben doch Pointe verpasst: Die Zugehörigkeit zum Herrn entscheidet sich immer auch an der Treue zur Kirche und ihrer Lehre. Grundsätzlich haben wir diesen Zusammenhang in einem eigenen Blog „Lehramt – wozu?“ dargelegt. Er ruft nun aber förmlich nach einer Fortsetzung „Lehramt – und wie?“ Wie also geht man mit den ganz unterschiedlichen Äußerungen des Lehramtes um? Da stehen eine Menge von Einzelfragen zur Klärung an. Wer da nicht genau unterscheidet, überzieht das Prinzip Lehramt und bringt es dadurch in Verruf. Weiterlesen

Osterrätsel 2021

Gesucht ist dieses Mal etwas Liturgisches. Genauer gesagt ein Utensil für die Heilige Woche, die Karwoche. Über viele Jahrhunderte war es genau genommen das in dieser Heiligen Woche am häufigsten gebrauchte besondere Utensil. Was jedoch über viele Jahrhunderte Kernbestand einer der bedeutendsten nicht-eucharistischen Liturgien in dieser heiligen Zeit gewesen war, ist heute vielfach verschwunden. Auch diesen ganzen Gottesdienst trifft man nur noch ausnahmsweise an, zumindest in den meisten Gemeinden. Aber was nicht mehr ist, das kann ja wieder einmal werden. Lohnen würde es sich wirklich, nicht zuletzt weil das Utensil sich durchaus auch in der evangelischen Liturgie findet. So könnte man diese Feier sehr gut auch ökumenisch halten. Dadurch würde sich dann auch gar nicht erst die Frage nach der Interkommunion bei Eucharistie und Abendmahl stellen. Außerdem ist es wohl der einzige liturgische Anlass, bei dem man das hebräische Alphabet lernen kann – dies allerdings auf eine ziemlich klägliche Art. Weiterlesen

Nachdenkliche Grüße zu einem hellsichtigen Weihnachten

 

Frohe, gesegnete, gnadenvolle, lichterfüllte, christliche Weihnachten!

Thomas von Aquin – eine Einladung zur Lektüre

An Empfehlungen fehlt es Thomas von Aquin (1224/25-1274) nicht. Lange Zeit war seine „Summa theologiae“ das Lehrbuch der katholischen Theologie. U.a. sah die einflussreiche „ratio studiorum“ der Jesuiten dies so vor. Papst Leo XIII. setzte in „Aeterni patris“ (4. August 1879) seine Theologie als Maßstab der Theologie überhaupt fest, und noch das II. Vaticanum empfahl ihn nachdrücklich. Doch dass seine Theologie und Philosophie noch wirklich gekannt, geschätzt oder gar gelesen wird, kann man außerhalb von Fachkreisen kaum mehr sagen. Weiterlesen

Aron Jean-Marie Lustiger (1926-2007)

(Quelle: Institut Jean-Marie-Lustiger)

Ob ich gerne Priester unter dem Erzbischof Lustiger gewesen wäre, weiß ich nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Wie alle Propheten, ganz wie sein Freund Johannes Paul II., war er kein großer Verwalter, hatte er nicht den geringsten Sinn dafür, dass Leitung dann mit sich selbst zufrieden sein kann, wenn alles bloß läuft wie geschmiert. Weiterlesen