Osterrätsel 2026 – aus der Passionsgeschichte
Gesucht ist ein Name. Der Name einer Person, die in der Passion Jesu vorkommt. Die sogar eigens von ihm angesprochen wurde, in Antwort auf ihre Bitte. Diese Antwort gehört zu den erstaunlichsten Verheißungen Jesu, beinahe eine Art von persönlicher Seligpreisung. Damit ist sie aber zugleich auch die Kurzfassung seiner Sendung, voll Barmherzigkeit und Liebe. Sie ist so gewaltig in ihrer Kraft, dass die Mächte von Sünde und Tod vergehen müssen vor der Gerechtigkeit aus dem Glauben, wie Paulus sie nannte, also der liebenden Hinwendung zur Kraft des Kreuzes Jesu. Oder mit dem allerletzten Wort der hl. Therese von Lisieux in ihrer „Geschichte einer Seele“ ausgedrückt:
„Ja, ich weiß genau, würden auf meinem Gewissen auch alle Sünden lasten, die man überhaupt begehen kann, so würde ich doch mit reumütig zerknirschtem Herzen hingehen und mich in die Arme Jesu werfen. Denn ich weiß, wie sehr er den verlorenen Sohn liebt, der zu Ihm zurückkehrt. Nicht weil der liebe Gott meine Seele in seiner zuvorkommenden Barmherzigkeit vor der Todsünde bewahrt hat, erhebe ich mich zu Ihm durch Vertrauen und Liebe“ (Ms C, 36v/37r).
Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen (Joh 12,32)
Eine theologische Hürde
Wenn man diese Seligpreisung Jesu sehr wörtlich nimmt, kommt man theologisch in einen gewissen Erklärungsbedarf: Wie ist sie genau zu verstehen? Was bedeutet die zeitliche Angabe darin? Und worin besteht die Verheißung? Bezieht sie sich auf den Leib und die Seele, oder nur auf die Seele? Aber man kann das Wort auch einfach als eine überwältigende Zusage des Heils verstehen, und zwar nicht, weil das eigene Leben insgesamt ordentlich und fromm verlaufen ist, sondern weil der Herr vom Kreuz her alle an sich ziehen will, die sich ihm in Reue anvertrauen: „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen“ (Joh 12,32). Wer dann noch theologisch genauer nachfragen möchte, könnte hier die Glaubenswahrheit erkennen, dass jedem Menschen jederzeit mit Gottes Hilfe eine vollkommene Reue möglich ist und dass diese dem Menschen kraft des Kreuzes Christi das Heil verschaffen kann. Einfacher gesagt: Es ist nie zu spät, zum Herrn zu finden. Auf den ostkirchlichen Ikonen findet man unsere Gestalt prominent in der Reihe der alttestamentlichen Heiligen, die Christus am Karsamstag durch die Tür des Paradieses einlässt. Aber auch in der Westkirche genießt unsere Person die Verehrung eines Heiligen. Ihr Gedenktag ist sogar besonders prominent, nämlich der 25. März, also der Festtag der Verkündigung des Herrn, der Menschwerdung.
… so würde ich doch mit reumütig zerknirschtem Herzen hingehen und mich in die Arme Jesu werfen (hl. Therese von Lisieux)
Eine biblische Hürde
Gesucht ist also der Name dieser Person. Das ist noch eine kleine Hürde unseres Rätsels, denn in der Bibel wird uns wie so oft bei Begegnungen mit Jesus kein Eigenname genannt. Erst die apokryphe, legendarische Tradition hat ihr diesen Namen beigelegt. Die Legende hat bei dieser Gelegenheit auch ihren Lebenslauf noch etwas ausgeschmückt und eine erste Begegnung mit Jesus bereits in dessen Kindheit verlegt. Wiederum die hl. Therese von Lisieux hat diese Begegnung in einem schwungvollen Theaterstück auf die Bühne gebracht.
Lösung gesucht
Wer glaubt, die richtige Lösung gefunden zu haben, nenne den legendarischen Namen unserer Person und sende die Lösung per Mail an: andreas.wollbold@lmu.de. Zu gewinnen gibt es dieses Mal meinen Klassiker, das „Handbuch der Gemeindepastoral“ (Regensburg: Pustet-Verlag 2004). Einsendeschluss ist der Weiße Sonntag, also der 12. April 2026, um 24 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Beitragsbild: »Die Kreuzigung Jesu Christi«, Illustration aus dem Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg (12. Jahrhundert) (Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz CC-BY-SA 3.0)
Auflösung
Das Osterrätsel 2026 ist aufgelöst. Gesucht war
Dismas,
der gute Schächer am Kreuz. Das Lukasevangelium hat seine letzte Hinwendung zu Jesus als seinem barmherzigen Heiland und Erlöser festgehalten:
„Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,39-42).
Eine Knacknuss für die Theologen ist das „Heute noch“. Gab es also für Dismas eine Auferstehung noch vor der Auferstehung Jesu? Oder zumindest ein Eingehen in den Himmel, noch bevor Jesus seinen Hinabstieg in das Reich des Todes abgeschlossen hatte?
Der Name Dismas stammt nicht aus dem Evangelium selbst, sondern er taucht erst später in der apokryphen Tradition auf, erstmals in den Pilatusakten. Er könnte dort als Symbolname aufgefasst worden sein, den griechisch spielt dies auf „Untergang / Sonnenuntergang“ an. Legendarisch ist auch, dass die heilige Familie bei der Flucht nach Ägypten in eine Räuberhöhle des Dismas gelangt ist. Damals war er noch ein Räuberkind, das aber leider von Lepra geschlagen war. An ihm konnte das kleine Jesuskind sein erstes Wunder wirken und es heilen. Später am kreuz dann heilte er den Dismas vom viel schlimmeren Aussatz der Sünde.
Die kleine hl. Therese hat diese Szene aus der Kindheit Jesu in einem ihrer Theaterstücke lebhaft und doch auch geistlich tief als Drama der Barmherzigkeit gestaltet („Die Flucht nach Ägypten“, RP 6). Die Erstaufführung im Karmel von Lisieux wurde allerdings zum Fiasko. Denn Mutter Agnès (Thereses geliebte Schwester Pauline!) brach das Stück ab, an dem alle Novizinnen beteiligt waren, darunter Therese selbst als Jungfrau Maria. Offiziell gab sie als Begründung an, das Stück sei zu lange geraten und ermüde die Karmelitinnen zu sehr. Man darf da seine Zweifel haben. Aber die lebhafte Gaunersprache der Briganten, ihre Schlacht, bei der sie sich Flaschen über den Kopf schlugen, das wilde Gelächter und ihre wilden Räuberlieder schienen der Oberin eher in ein Wirtshaus denn in den Karmel zu passen… Heute kann man sich selbst ein Bild vom Stück machen.
Der oder die Gewinnerin wird bald benachrichtigt. Danke allen fürs Miträtseln!















Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!