Taufe – Firmung – Eucharistie – Trauung
Taufe – Firmung – Eucharistie – Trauung
Grundfragen und Gestaltung der Sakramentenpastoral
Mein Lehrbuch, 2020 im Pustet-Verlag erschienen
Sakramente sind Brücken zu Gott. Manchmal scheinen sie wie abgebrochen: schöne Feiern ohne echten Glauben. Oder kann eine verantwortliche Pastoral zu Taufe, Firmung, Eucharistie und Trauung Menschen, so wie sie sind, neu zu Gott führen? Dieses Handbuch führt umfassend in die Grundfragen der Sakramentenpastoral und in diese einzelnen Sakramente ein. Pastorale Fragestellungen werden theologisch fundiert, doch stets in den Dienst der konkreten Praxis gestellt. Das Buch will Wege aufzeigen, Motivation aufbauen und Freude an der Begegnung mit Menschen in entscheidenden Momenten ihres Lebens wecken.
Drei Eigenschaften sollen dieses Buch auszeichnen
- Theologisch verantwortet: Die theologischen Grundlagen sind erschüttert, und viele pastorale Fragen wurzeln so tief, dass eben diese Grundlagen selbst auf dem Spiel stehen. Deshalb genügen nicht vollmundige Affirmationen, sondern es müssen genau ausgearbeitete Argumente her. Nur so kann kirchliches Handeln sich vor dem hohen Anspruch der Sakramente als erhabenste Orte des Wirkens Gottes in der Kirche und durch die Kirche verantworten. Ihre Identität steht auf dem Spiel, und damit spielt man nicht.
- Realitätsnah: Praktische Theologie hat sich der Wie-Frage zu stellen. Solche Fragen sind wie bei allem Handeln stets konkret: „Was soll ich nächsten Montag um acht Uhr in meiner Klasse 7 a an der Pestalozzi-Schule tun?“ Die Orientierungen des Handbuchs haben stets die Praktiker vor Augen und wollen ihnen helfen, auch und gerade dann, wenn breite theologie- und seelsorgegeschichtliche Darlegungen, kirchenrechtliche Detailfragen oder sakramententheologische Ansatzfragen die Seiten füllen. Praxisnähe ist freilich nicht mit Pragmatik zu verwechseln, gar mit Zaubertricks und todsicheren Modellen. Wer das verspricht, verkennt die Verschiedenheit der Situationen und überhaupt das Gebot der Stunde, die Differenzierung der Sakramentenkatechese.
- Interdisziplinär: Biblische, patristische, scholastische und zeitgenössische Theologie, Statistik, empirische Untersuchungen, Ritentheorien und praktisch-theologische Debatten – all das gehört in das Buch und noch viel mehr. Das ist man der Aspektevielfalt des Themas, aber auch der Einheit der Theologie schuldig.
Gliederung und Inhalt des Buches
In klassischer Gliederung werden im ersten Teil die Grundlagen der Sakramentenpastoral vorgelegt.
Kap. 1: Unter dem Stichwort „Die abgebrochene Brücke“ wird realistisch die Situation der Sakramentenpastoral vorgestellt: ihre Chancen, ihre Probleme, neuere Entwicklungen und Herausforderungen.Die Brücke zwischen Glauben und Leben, zwischen Sakrament und Lebensführung ist weithin abgebrochen. Sakramente erscheinen allenfalls wie besondere Events, die aber mit dem Alltag wenig zu tun haben und die kaum die Kraft haben, ein echtes Glaubensleben zu inspirieren. Was sagt die praktische Theologie dazu? Wie kann man die Kasualienfrömmigkeit angemessen verstehen und damit umgehen?
Kap. 2: „Die Brücke wqieder begehbar machen“ fragt nach Kriterien der Sakramentenpastoral. Bloßes „Gewurstel“ reicht nicht und ist weder der Würde der Sakramente noch der Realität der Empfänger angemessen. Beispielhaft werden vier einflussreiche Modelle vorgestellt und diskutiert: kommunikative Handlungen, Mystagogie, Passageriten und die Theologie des Symbols.
„Die Wirkung der Liturgie, der Sakramente und Sakramentalien ist also diese: Wenn die Gläubigen recht bereitet sind, wird ihnen nahezu jedes Ereignis ihres Lebens geheiligt durch die göttliche Gnade, die ausströmt vom Pascha-Mysterium des Leidens, des Todes und der Auferstehung Christi, aus dem alle Sakramente und Sakramentalien ihre Kraft ableiten. Auch bewirken sie, daß es kaum einen rechten Gebrauch der materiellen Dinge gibt, der nicht auf das Ziel ausgerichtet werden kann, den Menschen zu heiligen und Gott zu loben“ (Sacrosanctum Concilium 61).
Der zweite Teil geht zur Praxis über. Kap. 3 stellt die drei Sakramente des Christwerdens im Zusammenhang vor, also Taufe, Firmung und Eucharistie. Bedeutung, aber auch Problematik der Kindertaufe stehen im Mittelpunkt. Wenn man an ihr festhalten will – und das ist gut so -, dann nur mit einer entschiedenen Erneuerung einer kontinuierlichen Katechese über mehrere Jahre hinweg.
Kap. 4 bis 6 gehen noch näher in die Praxis und behandeln nacheinander Taufe, Erstkommunion und Firmung. Jeweils geht es darum, ebenso behutsam wie entschieden die bestehende Praxis zu verbessern und allen Beteiligten Wege in den Glauben und in ein christliches Leben zu ermöglichen.
Kap. 7 zur Trauung hat Regina M. Frey verfasst. Auch hier geht es um eine realistische Einschätzung der Situation und um Leitlinien und Chance für die Vorbereitung einer kirchlichen Eheschließung.
Leseprobe: Der Anfang des Buches
Brücken zu Gott
Sakramente sind Brücken zu Gott. Sie verbinden das Leben mit Gott:
- sei es an den besonderen Knotenpunkten des Lebenslaufes Geburt (Taufe), Kindheit (Erstkommunion), Jugend (Firmung) – die drei Sakramente der christlichen Initiation -, bei den beiden Sakramenten der Standeswahl und Bindung fürs Leben (Weihe und Trauung),
- sei es als treue Wegbegleiter mit einer entsprechenden Regelmäßigkeit (Eucharistie und Buße)[1],
- sei es schließlich bei den Sakramenten der Vollendung angesichts von Sterben (Krankensalbung, Beichte und Wegzehrung) und Tod (hier findet sich auch das wichtigste Sakramentale, das Begräbnis).
Dabei sakralisieren sie nicht das Leben, verleihen ihm Bedeutsamkeit und geben ihm eine außeralltägliche Aura, sondern sie erheben es zu Gott: „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17,28). Sie verwandeln es und verklären es nicht nur. Theologisch gesprochen, verleihen sie eine übernatürliche Erhebung bzw. Begnadung der Menschennatur. Wie lässt sich diese fachtheologische Formel veranschaulichen?
- In den Sakramenten ergreift Christus einen Menschen, er nimmt ihn in Besitz und erweist sich als sein Herr (kyrios). Dabei vollzieht die Taufe grundlegend einen Herrschaftswechsel, sie entreißt der Machtsphäre von Sünde und Tod und verbindet mit dem österlichen Christus. Die weiteren Sakramente vertiefen diese Herrschaft, denn sie stützen, entfalten und vertiefen dieses österliche Leben in Christus. Er schenkt dem Getauften eine übernatürliche Berufung, er bestimmt ihn für ein Ziel, das über dieses irdische Leben hinausreicht und sich in der ewigen Gemeinschaft mit Gott vollendet.
- Durch den Herrschaftswechsel wird das Leben des Getauften für immer der Herrschaft Christi unterstellt. Sein Leben ist seinem Dienst geweiht: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn“ (Röm 14,8).
- Die Sakramente werden in der Kirche als geistlicher Familie Gottes (familia Dei) gelebt und sind nicht bloß Familienfeste der biologischen Familie. Eindrucksvoll nach außen tritt dieser Wechsel von natürlicher zur Glaubensfamilie bei der Hochzeit zu Kana, wo Jesus zunächst die natürlich-biologischen Bande zu seiner Mutter kappt: Was willst du von mir, Frau?, um dann die Grundlage seiner neuen Familie aus ihrem Mund zu hören: Was er euch sagt, das tut! (Joh 2,4 f.). Dies erscheint wie ein Reflex auf die analoge Stelle bei den Synoptikern: Ja, selig sind vielmehr, die das Wort Gottes hören und es befolgen (Lk 11,28) im Johannesprolog: […] die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind (Joh 1,13).
Diese Punkte sind nur erste theologische Striche, mehr angedeutet als ausgeführt. Doch schon die Andeutung lässt erkennen: Eine angemessene Sakramentenpastoral lädt ein, die Brücke zur anderen Seite in den Herrschaftsbereich Christi hinein und ein Leben mit ihm zu überschreiten und nicht auf der hiesigen Seite zu verharren: „Darum lasst uns ernsthaft besorgt sein, dass keiner von euch zurückbleibt!“ (Hebr 4,1). Denn Brücken sind zum Überqueren da!






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