Osterrätsel 2019

Gesucht ist der Name eines Königs.

Natürlich nicht irgendeines Königs, sondern eines ganz besonderen. Ein König und Träger dieses Namens soll nach Rom gereist sein und dort den Papst getroffen haben. Er habe sich zum christlichen Glauben bekehrt und sich taufen lassen. Wenn diese Notiz zutrifft, wäre er der erste christliche König der Weltgeschichte. Doch diesen König meinen wir nicht, sondern nur einen Namensvetter, der ca. 170 Jahre früher lebte. Von ihm haben wir nur legendarische Überlieferungen, doch diese sind umso bedeutsamer. Immerhin hat einer der bedeutendsten Kirchengeschichtler ihnen einige Seiten gewidmet und will den Bericht sogar aus einschlägigen Archiven der Hauptstadt dieses Reiches belegen.

Ein einmaliger Briefwechsel

Im Kern handelt es sich dabei um nichts geringeres als um einen Briefwechsel zwischen diesem König und Jesus höchstpersönlich – womit wir so ganz nebenbei das einzige schriftliche Zeugnis Jesu hätten. Freilich finden sich im Brief des Königs bereits fast wörtliche Zitate aus Mt 11,5 bzw. Lk 7,22 und bei Jesus ein Schlüsselwort, das er nach dem Johannesevangelium nach seiner Auferstehung gesprochen hat. Eine berühmte Pilgerin will einige Jahrzehnte später diese beiden Briefe vom Bischof der Königsstadt gezeigt bekommen haben, bescheinigt aber, dass es auch in ihrer Heimat Kopien der Briefe gebe. Weiterlesen

Gekonnte Unterhaltung

„Du musst nur laufen lassen.“ Das war ein goldener Rat nach zweieinhalb endlos langweiligen Stunden. Ich war zu einem Festessen eingeladen, und man hatte mich neben eine alte Tante platziert, von der die Gastgeber schon wussten, was ich erst durch Erfahrung lernen musste: Sie war konsequent einsilbig. Jede Unterhaltung erstickte sie im Keim. Es war schon viel, wenn es mir gelang, ein Nicken, ein Kopfschütteln oder – o Wunder! – ein „Ja“ aus ihr hervorzulocken. So stierte ich schon ab der Vorspeise nur noch abwechselnd auf meinen Teller, auf die Armbanduhr und auf die Küche, in sehnsüchtiger Erwartung des nächsten Ganges. Oh, wie können sich die Minuten dehnen! Weiterlesen

Weihnachtsrätsel 2018

Gesucht ist…

Das Rätsel handelt von einem Diakon, einem Heiligen und einem überaus bekannten Diakon dazu. Dem Namen nach müsste er Franzose sein, aber das kam nur daher, dass sein Vater geschäftlich viel in Südfrankreich zu tun hatte und seinen Sohn schon von Geburt an auf seine erfolgreiche Tätigkeit festlegen wollte. Irgendwie hatte sein Geschäftsstolz später aber damit zu tun, dass es zu einem klassischen Vater-Sohn-Konflikt kam, an dessen Ende der spätere Diakon alles andere als ein Frühkapitalist wurde. (Nun gut, auch nicht gerade ein Marxist, auch wenn sich später in der katholischen Kirche eine breite Bewegung, die oft marxistische Gesellschaftsanalysen verwendete, auf ihn berief.) Weiterlesen

Adalbert Stifter (1805-1868)

Adalbert Stifter, Bunte Steine. Vorrede

in: Gesammelte Erzählungen in drei Bänden. Bd. 1, Leipzig 1954, 1-8

„Spielereien für junge Herzen“

1853 arbeitete der böhmisch-österreichische Dichter Adalbert Stifter (1805-1868) an einer kleinen Neuausgabe von sechs seiner Erzählungen, die er allesamt mit Namen von Steinen umbenannte: Granit, Kalkstein und Turmalin (Band 1) sowie Bergkristall, Katzensilber und Bergmilch (Band 2). Dazu verfasste er im Herbst 1852 ein Vorwort, das zu einem seiner bekanntesten Texte avancierte. Gelegentlich findet es sogar den Weg bis in die Schule. Doch wie immer arbeitete Stifter minutiös an jedem Wort, und so muss man auch seine Vorrede mit großer Liebe zum Detail lesen, sonst wird man sie missverstehen. Weiterlesen

Sommerrätsel 2018 – die Auflösung

Die Auflösung des Sommerrätsels lautet:

Cornelia und Gustav.

Die beiden sind die Hauptpersonen der kurzen Erstlingserzählung von Adalbert Stifter (1805-1868), „Der Condor“ (1840, überarbeitet 1844, auch mit K geschrieben). Ängstlich-fasziniert beobachtet darin Gustav die heimlich angebetete, zu seinem Bedauern aber schrecklich emanzipierte Cornelia, die den Mut hat, bei einer damals überaus populären Ballonexpedition zweier Engländer dabei zu sein. Doch als der Ballon eine solche Höhe erreicht, dass der Anblick der Erde sich von der vertrauten Gestalt zu dem eines unheimlich-distanzierten, kalten Planten verwandelt, kann sie es nicht mehr ertragen, und die Expedition muss abgebrochen werden. Cornelia durchlebt eine Krisis der Krankheit. „Seit sie genesen, ist sie gut und sanft“, heißt es schließlich von ihr, aber was das bedeutet, darüber streiten sich die Gelehrten. Welteroberung ist nichts für die Frauennatur, die nur fürs Häuslich-Sanfte taugt? Stifter als Reaktionär? Nun, die Geschichte geht hier ja noch weiter. Unvermeidlicherweise kommt es zu einer etwas eigenartigen Liebeserklärung beider – Gustav musste sich seine Geringschätzung Cornelias erst einmal gründlich gönnen – und zu einem noch eigenartigeren Liebesbeweis des Mannes: Er fühlt sich nun zum wahren Künstler wachgeküsst und muss in die Welt hinaus, um sich Cornelias Liebe zu verdienen. Nur, Schönheitsfehler für den Maler!, er kehrt niemals zurück, hinterlässt dafür aber zwei Mondbilder in einem Pariser Salon, von denen sich die tieftraurige Cornelia in der Schlussszene abwendet. Als die Liebe in das Leben Gustavs eintritt, heißt es in einem Schlüsselsatz: „Die Liebe ist ein schöner Engel, aber oft ein schöner Todesengel für das gläubige, betrogene Herz!“ Doch am Ende fragt es sich: Wer war hier der Betrogene, wer der Betrüger? Was übrigens das untergründige Hauptthema des „Condor“ anzeigt, das Stifter als veritablen Philosophen ausweist: Was heißt die Welt wahrzunehmen? Je nachdem, wo ich stehe und wer ich bin, sieht alles immer ganz anders aus. Weiterlesen