Es wurde aber Zeit. Das Osterrätsel 2020 ist schon das 10. Rätsel auf dieser Website überhaupt, und noch nie haben wir nach etwas aus dem Buch der Bücher gefragt, der Bibel. Beim 10. Rätsel, also einem Jubiläumsrätsel, ist es endlich soweit. Passend zu Ostern die Frage nach der Auferstehung:

Wie lautet der Bibelvers, mit dem einer der ganz Großen der Heiligen Schrift seine ganz persönliche Auferstehungshoffnung ausdrückt?

Welcher Große? Nun, das ist natürlich mitgefragt.

Hinweise zum gesuchten „Großen“ der Bibel

Zu ihm und zum gesuchten Vers darum einige Hinweise. Der Gesuchte war verheiratet. Ob glücklich verheiratet, kann man sich fragen. Zumindest hat seine Frau das „… und in schlechten Tagen“ nicht so verstanden, dass sie ihn bloß sanft getröstet hätte. Aber immerhin, er war seiner Frau ungebrochen treu, und seine Erwiderung auf die nicht ganz heiligmäßigen Äußerungen seiner besseren Hälfte sind nun wirklich eines Heiligen würdig. Dass unser Mann an einer Schlüsselstelle des biblischen Buches, in dem er im Mittelpunkt steht, die Hoffnung auf Auferstehung in bewegenden Worten ausdrückt, ist nun auch nicht so ganz erstaunlich. Denn wie kaum ein anderer steht er für das „Wie gewonnen, so zerronnen“ des menschlichen Lebens, und da öffnet sich das Herz eines Gerechten beinahe wie von selbst dem jenseitigen Geschick.

Bewegende Worte, das gilt übrigens auch für die Musik. Der gesuchte Vers hat den Weg in manche Vertonung gefunden. Eine davon ist besonders berühmt, eine andere kursierte lange im Verzeichnis eines der ganz Großen der Musik, ist aber inzwischen einem Komponisten zugeschrieben, dessen Vorsilbe im Namen uns Heutigen suggerieren könnte, er sei der geborene Mann, um Fernes nahe zu bringen. A propos Rezeption. In der Theologie spielte unser Mann eine bedeutende Rolle. Vielleicht am bekanntesten ist das monumentale Werk eines Kirchenlehrers, der in gut römischem Geist nicht darüber hohe Spekulationen anstellte, sondern die Moral aus der Geschicht‘ zog – ziemlich ausführlich übrigens.

Fotos: M. Schulze

Aber schauen wir den Vers ein bisschen genauer an (haben Sie schon eine Ahnung?, hat es vielleicht schon längst Klick gemacht?). Also, wie so oft in der alten Welt und ihrer Kultur der Mündlichkeit sind Worte zunächst einmal gesprochene Worte, und so spricht unser Mann seine Worte erst einmal mit der Zunge aus. Auf einmal kommt ihm aber die Idee, sie sollten auch in Buchform publiziert werden, ja, um noch besser gegen die Vergänglichkeit geschützt zu sein, in Stein gemeißelt. Dadurch ist er aber noch nicht der Patron der hoffnungsvollen Jungautoren geworden, er kennt nur die Not dessen, der redet, und keiner hört zu. Ach ja, zugehört haben ihm schon Leute, aber eher zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder heraus. Zu voll waren deren Köpfe mit ihren eigenen Besserwissereien. Was übrigens zeigt, dass Gesprächsprozesse nicht unbedingt immer das Beste sind, was einem Menschen zustoßen kann, wenn er wirkliche Probleme hat. Oh ja, einmal mehr zeigt sich: Bei Freunden wie diesen braucht man keine Feinde mehr.

Zum gesuchten Vers

Zurück zum Text. Mag sein, dass unser Mann sich sagen muss: Das mit der Veröffentlichung in Schriftform war doch keine so gute Idee – wer weiß, ob das jemand wirklich mit Anteilnahme lesen wird? Auf jeden Fall bricht dann plötzlich das Wort unseres gesuchten Verses aus ihm hervor. „Besser sich zu bergen beim Herrn, als auf Menschen zu bauen“, so mag ihm in diesem Moment gekommen sein (Ps 118,8). Und da leuchtet ihm auf, dass Gott ganz gewiss für ihn ein Amt ausüben wird, das er mit einem eigenartigen Begriff umschreibt. Dieses Wort hat bei den Exegeten eine Menge Tinte fließen lassen. Zumindest so viel ist gewiss, dass er sich die Zukunft wie eine Art Gerichtsverhandlung vorstellt, bei der Gott auf seiner Seite stehen und ihm zum Sieg verhelfen wird. Diese Vorstellung sollte übrigens all jenen zu denken geben, die die Theodizee-Frage so verstehen, als müsste Gott auf der Anklagebank Platz nehmen, und der Menschengeist dürfte abwechselnd Ankläger, Verteidiger und schließlich Richter spielen. Eine solche Hybris war unserem Frommen ganz fern. Im Gegenteil, er ist einer der ganz großen Zeugen für die Erhabenheit, Heiligkeit und Unbegreiflichkeit Gottes.

Die gesuchte Stelle ist übrigens nicht das einzige Auferstehungszeugnis in dem biblischen Buch, auch wenn die Gelehrten sich streiten, wie explizit die anderen Stellen sind und ob nicht erst durch die spätere griechische Übersetzung, die „Septuaginta“, die Sache etwas eindeutiger gemacht wird. Das stimmt auf jeden Fall, und wenn die Sache nicht so ernst wäre, könnte man sagen: Diesen Prozess der Vereindeutigung durch Übersetzung nachzuvollziehen ist eine Lust für jeden, der ein wenig die alten Sprachen kennt. (Das war jetzt ein Wink mit dem Zaunpfahl für alle Theologen, die manchmal nur widerwillig die Schulbank des Hebräischen und des Griechischen drücken!) Dass die „Septuaginta“ auch an anderen Stellen des Buches mit viel Geschick das Maximum an Auferstehungshoffnung aus dem hebräischen Original herausholt, lässt sich ebenso gut nachweisen. Ob sie damit eine zu ihrer Zeit unter Gelehrten bereits weit verbreitete Überzeugung aussprach oder Neuland betrat, muss jedoch offenbleiben.

Die Rätselfrage

Am Ende noch einmal die österliche Rätselfrage: Wie lautet der gesuchte Bibelvers und wie der Name dessen, der ihn ausspricht? Bitte geben Sie in eigenen Worten auch Ihre Gedanken zu diesem Vers wieder!

Wer die richtige Antwort gefunden hat (oder gefunden zu haben glaubt), sende sie mit dem Kontaktformular unten oder auch einfach sozusagen nach Altvätersitte und Patriarchenart mit einet E-Mail an:

andreas.wollbold@lmu.de

Geben Sie bei der Antwort, eine Mailadresse und Ihren vollständigen Namen an. Diese Daten werden nur im Rahmen dieses Rätsels verwendet. Einsendeschluss ist der

Ostermontag, 13. April 2020, um 24 Uhr.

Als Preise werden unter den richtigen Einsendungen drei Exemplare einer meiner Veröffentlichungen nach Absprache verlost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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