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Warum gebe ich dir Weisung und bin doch selbst nicht so, wie ich es mir von dir vorstelle? Mehr noch, hast du nicht eine stattliche Zahl von Menschen vor Augen, die auf halben Weg eingebrochen sind? Meine Antwort lautet knapp: Ich spreche nicht von mir, sondern von unserem Herrn und Heiland. Ich gebe auch keine Weisung mit Blick auf das, was ich selbst erreicht habe, sondern auf das, was ein angehender Diener Christi wollen und vollbringen muss. Auch die Sportler sind ja kräftiger als diejenigen, die sie mit Öl einreiben. Trotzdem gibt der Schwächere dabei Anweisungen, und der Stärkere tritt zum Kampf an. Schau nicht auf den Abfall des Judas, sondern auf das Christusbekenntnis des Paulus! Jakob war der Sohn eines steinreichen Vaters, und doch macht er sich allein und bloß mit einem Stab in der Hand auf nach Mesopotamien. Erschöpft sinkt der unterwegs zu Boden, er, der von seiner Mutter Rebekka äußerst verzärtelt worden war, und er gebraucht dabei einen Stein anstelle eines weichen Kissens. Da schaute er die Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel auf und nieder. Von oben sah der Herr hinab und reichte den Ermüdeten die Hand, um sie in ihrer Anstrengung beim Aufstieg durch seinen Anblick zu bestärken. Deshalb heißt dieser Ort auch Betel, d.h. Haus Gottes. Darin steigen täglich Menschen auf und nieder. Denn auch Heilige fallen, wenn sie nachlässig werden, doch Sündern erreichen wieder ihre frühere Höhe, wenn sie ihre Fehler mit Tränen abwaschen. Das sage ich aus dem Grund, damit dich die Heruntersinkenden nicht verstören, sondern damit die Emporsteigenden dich bestärken. Man nimmt sich ja nie an Schlechten ein Beispiel. Auch im Allgemeinmenschlichen kommt ja die Einladung zu einem guten Leben stets vom besseren Teil der Menschen.

– Hieronymus, Brief an Julian 118,7 –

Hoffnung und Gottvertrauen

Geostationäre Satelliten sind eine feine Sache. Sie stehen fest am Himmel und schweben ständig auf dieser Position, ohne zur Erde zu fallen oder in den Weltraum geschleudert zu werden. Und das auch noch, ohne sich ständig mit Raketenantrieb an ihrem Ort etwa 36.000 Kilometer über der Erdoberfläche halten zu müssen. Dabei reicht schon etwas Unterstufen-Physik aus, um das Prinzip zu begreifen: Die Balance zwischen der Gravitation und der Fliehkraft, die an dieser Stelle mit einer Kreisbewegung von 3,075 Kilometer pro Sekunde genau ausgeglichen ist. Nicht schlecht, oder? Und dabei ausgesprochen nützlich (sofern man Fernsehprogramm, Navis, Spionage und Telekommunikation trotz allem immer noch unter die nützlichen Dinge rechnen darf). Weiterlesen

Nachdenkliche Grüße zu einem hellsichtigen Weihnachten

 

Frohe, gesegnete, gnadenvolle, lichterfüllte, christliche Weihnachten!

Christ und Corona

Eine Erinnerung an den guten kirchlichen Geist – nicht ohne aktuellen Bezug

„Obwohl der Apostel sagt, den schwächeren Gliedern sei um so größere Ehre zu erweisen (vgl. 1 Kor 12,22f.), gibt es kirchliche Würdenträger, die das Ihre suchen und nicht das, was Jesu Christi ist (vgl. Phil 2,21). Sie erlauben den Aussätzigen, die nicht mit Gesunden zusammenleben und nicht mit anderen zur Kirche kommen können, weder, Kirchen und Friedhöfe zu haben, noch durch den Dienst eines eigenen Priesters Hilfe zu erfahren. Dies hat offensichtlich mit christlicher Frömmigkeit nichts mehr zu tun. Deshalb bestimmen wir, getragen vom apostolischen Geist der Güte: Wo so viele Menschen zusammenleben, dass sie imstande sind, sich eine Kirche mit Friedhof einzurichten und einen eigenen Priester zu haben, wird ihnen dies ohne irgendeinen Widerspruch erlaubt.“

– Drittes Laterankonzil von 1179, can. 23 (COD 222) – Weiterlesen

„Meine Pflicht hab ich getan“ – Einladung zu einer aus der Mode gekommenen Einstellung

Finsterste Verliese im spanischen Staatsgefängnis von Sevilla. Ein unerschrockener Kämpfer für die Wahrheit soll darin ermordet werden. Seine Frau lässt sich im Gefängnis als Gehilfin anwerben, um ihn zu retten. Wenn das kein Stoff für eine Oper ist! Es war Stoff für mehr als eine Oper. Weil der Name der mutigen Frau namens Leonore schon durch die eine Vertonung vergeben war, musste der Komponist der zweiten zähneknirschend in „Fidelio“ einwilligen.[1] Das ist jetzt kein Musikrätsel, denn spätestens jetzt ist klar, es handelt sich dabei um Ludwig van Beethovens Oper „Fidelio“, erstaufgeführt in Wien 1805. Sein Markenzeichen ist nicht nur Musik mit einem Höchstmaß an Spannung, sondern auch Stoffe, die das Große und Erhabene, das „bessere Selbst“ des Menschen (II,4) behandeln. Das bessere Selbst, damit sind wir auch beim Thema dieses Blogs. Was macht einen Menschen gut? Wodurch werden seine besten Kräfte geweckt? Wie wächst er über sich selbst hinaus? Auf der Antwort lastet scheinbar eine zentimeterdicke Staubschicht: Er wird es durch die Pflicht. Weiterlesen