Beten will gelernt sein

Aufschwung des Herzens

„Für mich ist das Gebet ein Aufschwung des Herzens, ein einfacher Aufblick zum Himmel, ein Ruf des Dankes und der Liebe, ganz gleich ob inmitten der Prüfung oder der Freude, kurz, etwas Großes, Übernatürliches, das meine Seele weit macht und mich mit Jesus vereinigt“, sagt die hl. Therese von Lisieux (Ms C 25rv). Ja, Beten ist der Aufschwung des Herzens zu Gott. Auch bei anderen geistlichen Meistern wird das Beten gerne als eine Bewegung beschrieben. Ja, die Seele gerät dabei in Schwung, ja auch den Leib und alle seine Kräfte nimmt sie dabei mit zu Gott. Dabei tue ich nicht bloß etwas wie Autofahren, Lesen oder Essen, ich bin ein Beter. Ich strebe zu Gott. Alles empfange ich aus seiner Hand, alles gebe ich ihm wieder zurück. Weiterlesen

Gekonnte Unterhaltung

„Du musst nur laufen lassen.“ Das war ein goldener Rat nach zweieinhalb endlos langweiligen Stunden. Ich war zu einem Festessen eingeladen, und man hatte mich neben eine alte Tante platziert, von der die Gastgeber schon wussten, was ich erst durch Erfahrung lernen musste: Sie war konsequent einsilbig. Jede Unterhaltung erstickte sie im Keim. Es war schon viel, wenn es mir gelang, ein Nicken, ein Kopfschütteln oder – o Wunder! – ein „Ja“ aus ihr hervorzulocken. So stierte ich schon ab der Vorspeise nur noch abwechselnd auf meinen Teller, auf die Armbanduhr und auf die Küche, in sehnsüchtiger Erwartung des nächsten Ganges. Oh, wie können sich die Minuten dehnen! Weiterlesen

Ehre, wem Ehre gebührt

Der Zaubertrank, das ist dieses flüssige Etwas, das den Asterix zu einem furchtlosen Helden und den Obelix dank eines frühkindlichen Vollbades darin zu einem gemütvollen Kraftprotz sondergleichen macht. Er lässt die beiden über sich selbst hinauswachsen. Wunderbar – wo ist die Website zur Bestellung, am besten gleich im Abonnement? Nun, wer uns die anpreist, wird hoffentlich vom Spam-Filter gleich abgefangen. Kaufen kann man den Zaubertrank übermenschlicher Kräfte nicht, erwerben aber schon. Ganz ohne Geld und Werbung. Dieser Zaubertrank aus längst vergessener Zeit heißt… Ehre. Weiterlesen

Gewissen – Heiligtum der Person oder moraltheologische Stopfgans?

Viel beschworen, wenig gekannt: das Gewissen. Neuerdings ist es auch der Katholiken liebstes Kind. Grund genug, es sich einmal genauer anzuschauen. Für eine Stopfgans der Moraltheologie ist es nämlich wirklich zu schade. Das Gewissen ist keine Ausrede für alle Fälle: Das ist ja ein Einzelfall! Ja, das wäre tragisch: Alle reden vom Gewissen und keiner hält sich daran. Das wäre so gefährlich wie Traumtänzerei beim Hochseilakt. Denn die katholische Lehre vom Gewissen ist filigran und präzise, nur so hält sie die Balance. Weiterlesen

Weihnachtsrätsel 2017

„Um jemandem anderen zu helfen, habe ich also meine eigene Seele getötet!“

Viele haben schon darauf gewartet: das Weihnachtsrätsel. Hier ist es. Gesucht wird ein Heiliger der katholischen Kirche mit Vor- und Familienname. Am bekanntesten ist die Episode seiner Bekehrung. Er war zwar bereits einige Jahre Kleriker, aber noch verband er die geistlichen Pflichten geschickt mit weltlichen Hoffnungen: Karriere und Ehre, Einkünfte und Einfluss. „Damals befand ich mich in diesem allgemein verbreiteten Irrtum, Größe, Reichtum, Ehre und Ämter anzustreben. Dabei dachte ich, das sei gut, denn ich sah dasselbe bei den anderen, Klerikern wie Laien.“ Weiterlesen