Liebe Tante, lieber Onkel,
in meinem Leben brauch‘ ich Menschen, mit denen ich lachen kann, die jederzeit ein offenes Ohr für mich haben, die mit mir spielen, Quatsch machen, für mich da sind und denen ich zu 100 % vertrauen kann.
Ich glaube, mit dir habe ich einen solchen Menschen geschenkt bekommen. Und dass du mir nicht „verloren“ gehst, möchte ich dich fragen: „Magst du meine Taufpatin sein?“

Ein weinrotes Blatt liegt im Kuvert, darauf stehen mit schwungvoller Schrift diese Worte. Ein Kind ist geboren, bald ist Taufe. Wer wird Pate, wer wird Patin? Einer oder zwei? Geschwister, Kousins oder die allerbeste Freundin von Mama, der beste Buddy Papas? Egal, als Pate gefragt zu werden ist eine Auszeichnung. Und jetzt hat Mama wirklich mich dazu eingeladen. Da kann man beinahe nicht nein sagen: „Ehrensache, ist doch klar!“ Irgendwie hat ein Pate doch nur Schokoladenseiten: ein ganz besonderer Mensch für das Kind sein, ihm beim Großwerden zur Seite stehen, dabei selbst wieder jung werden. Eben lachen, offenes Ohr, auch mal einen verrückten Quatsch miteinander anstellen und eine Vertrauensperson sein, ohne die ganze Last der Erziehung übernehmen zu müssen. Gut, und dann sind da natürlich noch die Geschenke. Aber Kindern etwas zu schenken macht doch immer noch am meisten Spaß, oder?
Tja, und dann hat man ja gesagt. Jetzt fängt das Nachdenken an. Was ist das eigentlich, ein Pate? Ich weiß, bei der Taufe in der Kirche stehe ich irgendwie auf dem Präsentierteller. Und da geht es nochmals um viel mehr als um das, was der Brief auf dem weinroten Blatt enthielt. Aber um was? Im Internet ist die Feier der Taufe rasch gegoogelt, und da sehe ich: Schon gleich am Anfang der Feier werde ich etwas sehr Wichtiges gefragt:

Priester: Liebe Paten, die Eltern dieses Kindes haben Sie gebeten, das Patenamt zu übernehmen. Sie sollen Ihr Patenkind auf dem Lebensweg begleiten, es im Glauben mittragen und es hinführen zu einem Leben in der Gemeinschaft der Kirche. Sind Sie bereit, diese Aufgabe zu übernehmen und damit die Eltern zu unterstützen?
Paten: Ich bin bereit.

Bei der Taufe legt der Pate dem Täufling seine Hand auf die Schulter

 

Das Kind im Glauben mittragen und es hinführen zu einem Leben in der Kirche

„Auf dem Lebensweg begleiten“, ja, das stand ja auch auf der schönen Einladung. Aber zum Leben gehört auch der Glaube. Deshalb bin ich bereit, das Kind im Glauben mitzutragen und es hinführen zu einem Leben in der Kirche. Natürlich haben die Eltern dafür die Hauptverantwortung. Aber Unterstützung ist ja beileibe nicht nichts. Das ist eine ganz einmalige Chance. Ich habe eine Sonderstellung gegenüber dem Kind, die niemand anderes besitzt.

Sie sollen Ihr Patenkind auf dem Lebensweg begleiten, es im Glauben mittragen und es hinführen zu einem Leben in der Gemeinschaft der Kirche

Was heißt das? Glaube, das ist ja immer erst einmal ein zartes Pflänzchen. Wie im Garten bin ich dafür eine Rankhilfe. Fest in den Boden gesteckt, damit das Pflänzchen sich an meinem Glauben festhalten kann. Ich bin sozusagen Wachstumsspezialist. Wachsen muss das Pflänzchen von selbst, aber es gießen, es düngen, die Sonne Gottes auf es scheinen lassen und mithelfen, dass Wind und Wetter es nicht mit der Wurzel ausreißen, da bin ich gefragt. Nur, wie mache ich das?
Vorbild: Mein Patenkind soll zu mir aufschauen können. Und zwar auch in Sachen Glauben und Kirche. Da merkt es: Mein Pate ist froh, zu glauben und mit Gott zu leben. Wenn jemand das Patenamt übernimmt, dann ist das immer auch ein Ruck für das eigene Glaubensleben: Ich will meine Beziehung zu Gott und de Kirche wieder ernster nehmen, um dem Kind wirklich Halt und Richtung geben zu können.
Zeuge: Nicht nur als guter Christ will ich leben, sondern auch zum Kind von Gott sprechen, mit ihm beten, in der Bibel und religiösen Kinderbüchern lesen, von den Heiligen erzählen, eine Kirche besuchen, Festtage begehen und, und, und…
Rede und Antwort stehen: Wenn es dann älter wird, dann darf es mir alle Löcher der Welt in den Bauch fragen. Ganz besonders die ganz großen Fragen über Gott und die Welt. Dafür will ich mich rüsten und mir selbst erst einmal klarwerden über so manches. Ein gutes Glaubensbuch, ein Katechismus ist da Gold wert. Ergänzend kann man natürlich auch ein paar richtig gute Seiten im Internet anklicken.
Verantwortung übernehmen für das Hineinwachsen in die Kirche: Konkret – jeden Sonntag läuten die Glocken. Da kann ich das Kind immer mal wieder zum Gottesdienst mitnehmen. Vielleicht kundschafte ich in unserer Gegend auch ansprechende Kindergottesdienste aus. Dafür wohne ich zu weit weg? Gut, aber den Eltern ein paar Tipps geben geht immer, und wenn ich zu Besuch komme, dann kann der Kirchenbesuch mit dem Patenkind sogar zum festen Programmpunkt werden.
Ein Auge auf das Kind werfen: Lachen, Quatsch machen, vertrauen, das ist wunderbar. Aber was, wenn auch mal ein ernstes Wörtchen geredet werden muss? In den ersten Jahren vielleicht noch mehr mit den Eltern als mit dem Kind selbst. Einfach weil die Entwicklung in einem bestimmten Punkt schiefläuft. Ich habe den Abstand, ich sehe manches klarer. Da braucht es Mut, den Mund aufzumachen. Das bin ich meinem Patenkind schuldig. Das Pflänzchen seines Glaubens soll ja gerade emporwachsen und nicht am Boden kleben bleiben.

Schon gleich bei der Feier der Taufe kann ich damit anfangen, z.B. indem ich am Taufgespräch teilnehme, mit den Eltern über meine neue Rolle spreche, Fürbitten für den Gottesdienst formuliere, die etwas mit Gott und der Kirche zu tun haben oder etwas Passendes schenke, etwa ein Bild des Namenspatrons oder ein Kreuz.
So schreibe ich Mamas weinroten Zettel mit der Einladung zum Patenamt für mich nochmals in einer Fassung 2.0:

Liebe Tante, lieber Onkel,
in meinem Leben brauch‘ ich Menschen, mit denen ich lachen kann – weil sie mir die Freude des Glaubens vorleben,
die jederzeit ein offenes Ohr für mich haben – so dass ich ihnen mit all meinen Fragen über Gott und die Welt kommen kann,
die mit mir spielen – und sich Zeit nehmen, mit mir zu beten und in die Kirche zu gehen,
Quatsch machen – und mir zeigen, wie wunderbar verrückt es ist, ein Christ zu sein,
für mich da sind – weil sie mich so zu lieben versuchen, wie Jesus es tut,
und denen ich zu 100 % vertrauen kann – weil sie glaubwürdige Zeugen des Glaubens sind.
Ich glaube, mit dir habe ich einen solchen Menschen geschenkt bekommen. Und dass ich nicht verloren gehe auf meinem Glaubensweg, dafür möchte ich dich fragen: „Magst du meine Taufpatin sein?“

 

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Das Patenamt: Um in der katholischen Kirche Pate zu sein, muss man…

  • selbst katholisch und nicht aus der Kirche ausgetreten sein (orthodoxe Christen können zusammen mit Katholiken Paten werden, evangelische Christen sind als „Taufzeugen“ zugelassen),
  • wenigstens 16 Jahre alt sein (Ausnahmen sind möglich) und Taufe, Firmung und Erstkommunion gehalten haben,
  • ein Leben führen, „das dem Glauben und dem zu übernehmenden Dienst entspricht“ (CIC c. 874 § 1 n. 3)
  • und bei der Feier der Taufe anwesend sein können.

Es genügt ein Pate (gleich welchen Geschlechtes), aber es können auch zwei sein (dann jedoch Pate und Patin). Die leiblichen Eltern sind ausgeschlossen; dafür dürfen sie die Paten aussuchen (bei der Erwachsenentaufe tut dies der Taufbewerber selbst). Der zuständige Pfarrer prüft, ob sie entsprechend den genannten Kriterien geeignet sind. Mancherorts wird dafür eine Patenbescheinigung verlangt. Das Patenamt gilt lebenslang und wird ins Taufbuch der Pfarrei eingetragen; man kann es nicht nachträglich z.B. nach einem Streit wieder austragen lassen. Es wird empfohlen, dass der Taufpate auch später Firmpate wird.

[Dieser Text kann mit Nennung des Autorennamens „Andreas Wollbold“ auch in Pfarrbriefen, in Kirchenzeitungen oder auf Flyern o.ä. abgedruckt werden. Gerne kann er auch als Anregung für Predigten, Vorträge usw. dienen.]

Praktische Anregungen für die Begleitung von Paten und zu einem Patentreffen habe ich hier gefunden.

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