Lisieux: Elternhaus der hl. Therese

Wohin im Urlaub?

„Die ganze Welt ist mein Zuhause“, hat einmal ein Jesuit gesagt. Sagen könnte es aber auch jeder Katholik. Denn rund um den Globus findet er wunderbare Orte. Da kann er die Seele… nein, nicht „baumeln lassen“ (das erinnert mich immer ans Galgenmännchen-Spiel unter der Schulbank). Nein, da kann die Seele reich werden an wunderschönen Erlebnissen, herrlicher Schöpfung, gläubigen Menschen und sicher auch ein paar ganz persönlichen Gnaden. Hier einfach mal eine Vierer-Auswahl: Franzensbad, Lourdes, Lisieux und Mettlach. Aber zuvor noch eine Kurzempfehlung, nämlich Ellwangen.

Kurzempfehlung
(Quelle: Tagungshaus Schönenberg)

Ellwangen an der Jagst eignet sich mit dem Tagungshaus Schönenberg hoch über der idyllischen Stadt prima für ein entspanntes Treffen, egal ob mit der Familie, im Freundeskreis oder z.B. für eine Klausurtagung oder ein Doktorandenseminar.  Direkt neben dem gut, aber nicht zu luxuriös eingerichteten Tagungshaus erhebt sich die berühmte Wallfahrtskirche Schönenberg, und ringsum ist alles voll Spazier- und Wanderwegen durch die sanfte Alblandschaft. Das Haus war früher einmal Priesterseminar, dann Theologische Fakultät und Generalvikariat. Zu erreichen ist es mit dem Auto bestens über die nur wenige Minuten entfernte A 7, und auch mit dem Zug ist man durch das nahe Stuttgart nicht abgehängt. Überhaupt, kirchliche Häuser sind heute Hotelqualität mit dem gewissen Etwas.

 

Franzensbad (Tschechien)
Hotel Savoy

Es ist wie im Film: Die Kurhäuser, Parkanlagen und Quellen sind so sehr aus der Zeit der Pferdekutschen und Reifröcke, der reichen Russen und der Heilung suchenden Blassen, dass man die Kulissen beinahe nicht betreten will. Franzensbad ist von den drei großen Kurorten Tschechiens (neben Karlsbad und Marienbad) der Ort, an dem die Zeit noch wirklich stehengeblieben ist, und so findet man selbst im Nu zum gemächlichen Leben der Muße, des Flanierens oder des Verweilens an einer der vielen Heilquellen – wenn man es sich nicht gerade im Hotel „Imperial“ in Polstersesseln zu Blaubeerkuchen und Türkenkaffee bequem gemacht hat. Oder unterwegs ist in den ausgedehnten Kurparks (neulich bin ich auf 30.000 Schritte Tagespensum gekommen!), die gepflegt und klassisch beginnen und irgendwann in Waldanlagen übergehen. Oder sich ins nahe Naturschutzgebiet Soos aufgemacht hat, wo der Boden vulkanisch blubbert und brodelt. Oder sich einige Flaschen des Mineralwassers für zuhause abzapft, eines Wassers, dass noch wirklich voll Mineralien ist – etwa mein Favorit, die „Neue Kirchenquelle (Noví Kostolni)“, bei der man sich überigens auch zwischen 15 und 21 Uhr an einem Außenhahn üppig selbst bedienen kann.

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Vielleicht hat es auch mit der sozialistischen Vergangenheit zu tun, dass der Ort bis heute noch nicht zur vollen Betriebsamkeit eines westlichen Kurmanagements und zu einem Event-Highlight verschandelt wurde, sondern die Hauptbetätigung des Gäste bis heute in Spazieren, Sitzen, Baden, Sich-Unterhalten und… Essen besteht. Man sieht, auch ohne eigentliche Kur ein Ort, der mehr als eine Reise wert ist – zumal die Anfahrt zu dem kurz hinter der Grenze gelegenen Ort zumindest von Bayern aus klar auf Tagesausflugsdistanz liegt.

Sprudeln der Adlerquelle (Video)

Lourdes
Lourdes: Grotte Massabielle

Oh, ich schwärme für diesen bedeutendsten, am meisten besuchten Wallfahrtsort in Europa. 18 Mal,  vom 11. Februar bis zum 16. Juli 1858, erschien die Muttergottes dem bettelarmen Mädchen Bernadette Soubirous an der Grotte Massabielle. Sie offenbarte sich: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis.“ In Prozessionen sollten die Gläubigen kommen, eine Kirche erbauen, darin beten und vom wunderbaren Wasser aus der Grotte schöpfen. 160 Jahre später lebt die Wallfahrt noch ganz jugendfrisch. Aus allen Kontinenten kommen die Pilger, und es ist unvergesslich, etwa abends bei der Lichterprozession Seite an Seite mit Mexikanern, Philippinos oder Nigerianern zu beten.Das ist kein Wallfahrtsbetrieb, sondern ein Ort des Gebetes. Besonders das Bild der unzähligen Kranken, all dieser Mühseligen und Beladenen, die ihr Kreuz so geduldig tragen, geht einem unter die Haut. Aber die Wallfahrt hat nichts Überhitztes, Mirakelsüchtiges, Überfrommes. Zur Jugendfrische besitzt sie auch Altersweisheit. Kurz: Das muss man erlebt haben. Gleich ob in einer Pilgergruppe, mit Familie oder Freunden, zu persönlichen Exerzitien oder in Verbindung mit einem Urlaub. Gleich ob in der ruhigen Winterzeit oder in den Stoßzeiten, der Ort spricht immer. Für mich besonders abends spät an der Grotte mit den vielen Betern und noch mehr Kerzen. Übrigens: Lourdes eignet sich auch hervorragend für Alleinreisende. Da kann man an Messen, eucharistischer Anbetung und Prozession, Lichterprozession u.v.a. teilnehmen, ohne dass jemand einem gleich auf die Nerven geht.

Video bei der Lichterprozession: P1010545

 

Lisieux

Alles spricht für Lisieux: die Lage (nur zwei Stunden von Paris, also auch für einen Tagesausflug geeignet), die Landschaft der Normandie und der Nähe zum Meer, die entspannte Atmosphäre einer französischen Kleinstadt und… natürlich „la petite Thérèse“, die mit ihrem umwerfenden Charme schon die halbe Welt begeistert hat.

  • Ihr Elternhaus, die Buissonnets, strahlen noch heute etwas von der heilen Welt einer guten, liebenden Familie aus.
  • Ihr Kloster, der Karmel, ist von außen noch weitgehend so wie vor 120 Jahren (nur die Kirche wurde zuletzt radikal umgestaltet – na ja…).
  • Beeindruckend ist die gewaltige Basilika ihr zu Ehren.
  • Besonders gern habe ich die erhabene gotische Kathedrale, Thereses Heimatkirche.
  • Daneben gibt es für Kenner natürlich noch unzählige kleine theresianische Orte in und um Lisieux. Wer den kleinen Weg von 80 Kilometer nicht scheut, sollte unbedingt nach Alençon, dem Geburtsort, wo die Erinnerung an sie liebevoll gepflegt wird.

Übernachten kann man gut in der „Eremitage“ gleich neben dem Karmel. Da ist man in guter geistlich-entspannter Atmosphäre zusammen mit vielen Gästen aus Frankreich und aller Welt.

 

Mettlach (Saar)
Kirche St. Liutwinus (Quelle: http://www.panoramio.com/photo/90738725)

Nicht ganz bis nach Frankreich, aber fast. Dann ist man am schönsten Fleckchen Erde des Saarlandes, jener am meisten unterschätzten deutschen Landschaft (unendlich viel Wald, sanfte Hügel noch und nöcher und ein vielleicht nicht immer sanfter, aber äußerst geselliger Menschenschlag): die Saarschleife in Mettlach. Bekannt ist der Ort durch die Keramik von Villeroy & Boch, aber noch bedeutender ist sein Heiliger, der hl. Ludwinus. In den Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und dem Vortag von Pfingsten findet hier eine der großen Wallfahrten des Bistums Trier statt. Das ist keine bloße Kaffee-und-Kuchen-Pilgerei, sondern viel Gebet, große Liturgie, bedeutende Zelebranten, Zielgruppengottesdienste, tolle Kirchenmusik und… natürlich auch saarländische Geselligkeit bei einem Glas Lutwinus-Bräu. Highlights: Die Eröffnung am Abend von Christi Himmelfahrt, der Kirmessonntag und der Abschluss am Abend vor Pfingsten. Großartig zu verbinden z.B. mit einem Wanderwochenende, bestens ausgebauter Gastronomie und ein paar Mitbringseln von V & B.

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