Geheimnisvoller Orient – damit haben Generationen von Schriftstellern geworben. „Märchen aus tausendundeiner Nacht“ klingt eben doch ein dutzend Mal exotischer als „Grimm’sche Hausmärchen“. Sich auf den Reiz fremder Länder und Sitten zu verlassen, dem konnte auch unser Autor nicht widerstehen, und herausgekommen ist beinahe so etwas wie der Prototyp des christlichen Abenteuerromans. Denn anders als es das Klischee vertrockneter Seelen der Frommen will, entwickelten christliche Leser offensichtlich schon ganz früh ein regelrechtes Faible für Geschichten, die nicht in Pastell, sondern in geradezu grellen Farben die Helden des Glaubens durch mancherlei Gefahren und Prüfungen führte. Prominentes Beispiel dafür sind die apokryphen Apostelakten, die dann reibungslos in Mönchs- und Heiligenbiographien übergehen. Überall das gleiche Bild: Der Reiz des Fremden, Exotischen und Außergewöhnlichen, die unerhörte Begebenheit, Bangen und Triumphieren mit dem Helden, das sorgte dafür, dass die Werke keine Ladenhüter wurden. Das gilt ganz besonders von unserem gesuchten Abenteuerroman, genauer gesagt eher eine Kurzgeschichte, die gerafft und beinahe atemlos ihre Geschichte erzählt. Übrigens eine wahre Geschichte, wie gleich zu Anfang versichert wird, gespeist mit einer Recherche aus erster Hand und erzählt als Ich-Bericht des Helden (nun gut, man weiß, was von diesem belletristischen Stilmittel zu halten ist). In der Tat, alle Details wie die Berufswahl gegen den Willen der Eltern, die Halbheiten im Beruf selbst, dann Gefangenschaft und Verschleppung auf einer Reise, die Versklavung für den Hirtendienst und der allmähliche Gewinn von Vertrauen beim Herrn, vor allem aber die außergewöhnlichen Umstände der Flucht ebenso wie die bemerkenswerte Lebensweise des Helden, sie sind zwar alles andere als grauer Alltag, lassen sich aber gut im Ambiente des Romans verorten. Kamele und Karawanenzüge, Höhle und militärische Forts geben dem Ganzen auch in der Staffage etwas Realistisches, Glaubhaftes.

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Nun war die Geschichte nicht der Erstling des Autors in diesem Genre. Ein früherer und ein etwa zeitgleicher Versuch hatten ihn auch in der Sparte Fiction bekannt gemacht, die für ihn keineswegs weniger wert war als sein umfangreiches wissenschaftliches und kirchenpolitisches Werk. Dieses ist in vielerlei Hinsicht einzigartig, so sehr, dass ein berühmtes literarisches Produkt aus seiner Feder sogar etwa 1150 Jahre später von einem Ökumenischen Konzil ausgezeichnet wurde. Beneidenswert, nicht? Nun, unser Autor hatte es eben in vielerlei Hinsicht in sich: ein echtes Großhirn mit einer Spezialisierung in alten Sprachen, ein Weitgereister, ein Bildungschrist, wie er im Buche steht, aber auch eine markante Persönlichkeit mit ausgesprochener Streitlust, nicht weniger aber auch ein beliebter Frauenseelsorger und, und, und… Glaubt man alten Bildern, so war er alles andere als übergewichtig, dafür aber ein Freund gefährlicher Bestien. Womit wir wieder bei unserem Roman wären, denn auf ihrem Höhepunkt spielt eine Löwin eine entscheidende Rolle. „Rolle“ ist hier ganz wörtlich zu verstehen, denn spätestens an dieser Stelle wird allen Lesern klar, dass das Drehbuch zur Geschichte im Himmel geschrieben ist.

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Noch ein paar Hinweise für die Lösungssuche gefällig?

  • Unser Autor stammt mehr oder weniger vom Balkan, ist aber von seiner Biographie her eher als Globetrotter anzusehen.
  • Abfassungsort unserer Geschichte ist ein sehr weihnachtlicher, und weihnachtlich ist ach der (ganz andere) Ort der letzten Ruhestätte des Verfassers.
  • Thema hinter dem Plot ist eines, für das sich unser Autor viele Male ins Zeug gelegt hat: Ehe und Jungfräulichkeit. Dabei fehlt es nicht an Humor: Der naive Sklavenhalter will seinen treuen Diener mit einer Frau belohnen, doch das stürzt diesen in einen schweren Gewissenskonflikt. Beinahe ironische Pointe: eine Lebensweise, die der Autor sonst entschieden ablehnt, in dieser Region ein hohes Ansehen und kommt in der Geschichte insgesamt erstaunlich gut weg.

Wer die richtige Antwort gefunden hat (oder gefunden zu haben glaubt), sende eine E-Mail an:

andreas.wollbold@lmu.de

Geben Sie bei der Antwort eine Mailadresse und Ihren vollständigen Namen an. Diese Daten werden nur im Rahmen dieses Rätsels verwendet. Einsendeschluss ist das Ende der Semesterferien, nämlich

Sonntag, 16. Oktober 2022, um 24 Uhr.

Als Preise werden unter den richtigen Einsendungen noch einmal drei Exemplare des Krimis „Holy Palace“ (oder ein anderes Buch nach Absprache) verlost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Ein Gedanke zu „Sommerrätsel 2022

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