Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück

Ein ernstes Thema: Wie will ich einmal zur letzten Ruhe gebettet sein?

Gut, es gibt Angenehmeres als sich mit den letztwilligen Verfügungen zu beschäftigen: Patientenverfügung, Vollmacht, Testament und… Verfügungen für das eigene Begräbnis. Wer’s aber hinter sich hat, lebt anders, besser, ruhiger. Wirklich beruhigend ist es auch zu wissen, wie und wo man einmal zur letzten irdischen Ruhe gebettet sein wird. (Selbstverständlich wird man das auch mit seinen Angehörigen besprechen.) Dass man dies überhaupt festlegen muss, hängt damit zusammen, dass eine Menge Unruhe in die letzte Ruhe gekommen ist. Da hat man die Qual der Wahl von der klassischen Erdbestattung bis zur Seebestattung oder dem Erinnerungsdiamanten. Ich rate dringend zu ersterem, also dass der Leib wie seit zwei Jahrtausenden im Christentum der Erde anvertraut wird und nicht verbrannt wird. Warum? Fünf Gründe – auch für Nichtchristen:

  1. Nur bei der Erdbestattung wird jemand wirklich zur letzten Ruhe gebettet. Ein Mensch ist müde geworden, „lebenssatt“, wie die Bibel sagt. Wir helfen ihm, dass er sich niederlegen kann. Und wo wäre er besser aufgehoben als in der Erde? „Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück.“ Die Mutter Erde nimmt eines ihrer Kinder wieder auf. Für den Christen kommt noch hinzu, was der Priester beim Begräbnis spricht: „Christus aber wird dich auferwecken.“ Der Tod ist für ihn wirklich nur ein langer Schlaf: Am Ende der Zeiten ertönen die Posaunen der Engel, und die Seelen der Entschlafenen werden mit einem unsterbliche Leib bekleidet.
  2. Wir reden so viel von Leiblichkeit,
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    Michelangelo Buonarotti, Das Jüngste Gericht (Sixtinische Kapelle, Vatikan) – Die Auferstehung der Toten

    aber wenn’s ans Sterben geht, scheint der Leib manchmal eher wie etwas, was auf einmal nicht mehr so wichtig ist oder was man sogar entsorgen kann. „In unserem Herzen lebst du weiter“, sagt man – aber der Andere ist doch unendlich viel mehr als meine Gedanken und Gefühle an ihn. „Ich brauche keinen besonderen Ort, um an einen Verstorbenen zu denken“ – natürlich, aber der Ort der letzten Ruhe ist doch der Ort der Erinnerung, des Gebetes und der Ehre. Besonders bei katholischen Christen hat der Leib des Verstorbenen ja oft den Leib Christi empfangen, vielleicht sogar noch kurz vor dem Verscheiden. Die Eucharistie ist sein „Heilmittel der Unsterblichkeit“. Sie ist das Unterpfand dafür: Mit dem Tod ist nicht alles aus, sondern es fängt alles an, das ewige, das herrliche Leben. „Wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit“, verspricht Christus (Joh 6,58).

  3. Die Asche ist nicht mehr der Leib eines Verstorbenen. Die Verbrennung soll ihn ja gerade auflösen. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Selbst ein Urnengrab ist immer ein bisschen ein Tun-als-ob. Der Schlussstrich ist längst gezogen. Anders bei der Erdbestattung. Der Leib ist derselbe, dem wir zu Lebzeiten nahe waren. Seine Jahre, seine Kämpfe, seine Leiden und Freuden, sie haben ihn gezeichnet. Sie nimmt er auch in den Todesschlaf mit. Und für Christen: Dieser Leib ist derselbe, der einmal von Christus auferweckt wird.
  4. Friedhöfe sind etwas Urmenschliches, ja man erkennt den Menschen daran, dass er seine Toten an besonderen Orten bestattet hat. Nicht umsonst sind Friedhöfe der Geheimtipp bei Städtebesichtigungen: Es gibt nichts Friedvolleres, Ruhigeres, Idyllischeres.Sie sind unverzichtbarer Teil unserer europäischen Kultur. Da darf es nicht innerhalb von wenigen Jahrzehnten einen Kulturbruch geben. Warum? Besondere Orte, das ist entscheidend: Die Toten erhalten einen Ehrenplatz, einen heiligen Ort, aber er ist vom gewöhnlichen Leben abgegrenzt. Das ist sogar psychologisch wichtig: Wir wissen die Verstorbenen an einem würdigen Ort, aber es gibt eine Grenze zu unserem eigenen Leben: Das Leben darf weitergehen. Dafür steht die Friedhofsmauer. „Friedwald“, „Ruheforst“, Verstreuung auf der Wiese, Seebestattung oder gar der Erinnerungsdiamant zuhause im Schrank verletzen diese Grenze.
  5. Vielfach scheinen praktische Gründe gegen eine Erdbestattung zu sprechen: die Kosten und vor allem die regelmäßige Grabpflege. Die Angehörigen wohnen weit weg, und man will ihnen keine Mühe oder Kosten bereiten. In einem solchen Fall bietet sich ein „Rasengrab“ an, also das „Begräbnis auf der grünen Wiese“. Da entfällt die Grabpflege. In den skandinavischen und angelsächsischen Ländern ist das die verbreitete Form – wir kennen das aus vielen Filmen. – Noch eine Anregung für Christen: In den ersten Jahrhunderten waren die Kirchen Begräbnisvereine. Man versprach sich gegenseitig, für ein würdiges Begräbnis zu sorgen. Wäre das Versprechen der Grabpflege nicht auch eine schöne Aufgabe für heutige Gemeinden?

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    Bergfriedhof Heidelberg

[Dieser Text kann mit Nennung des Autorennamens „Andreas Wollbold“ auch in Pfarrbriefen, in Kirchenzeitungen oder auf Flyern o.ä. abgedruckt werden. Gerne kann er auch als Anregung für Predigten, Vorträge usw. dienen.]

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